Thorn/PL (Toruń)

Breitengrad 53° 0′ 37″ N
Längengrad 18° 36′ 26″ O
Ort Thorn/PL
Kreis Kreisfreie Stadt
Bundesland/ Provinz Woiwodschaft Kujawien-Pommern
Postleitzahl 87-100 bis 87-120
Land Polen
Telefon +48 56
 
Alternative Ortsangaben
Ort Torun
 

Erzählend

Ort - Thorn/PL (Toruń)

Toruń ([ˈtɔruɲ] (deutsch Thorn) ist eine Stadt in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern in Polen. Sie liegt an der Weichsel, rund 180 km nordwestlich der polnischen Hauptstadt Warschau. Die Stadt hat rund 213 000 Einwohner, eine Universität, Chemieindustrie und ist Eisenbahnknotenpunkt mit einem bedeutenden Rangierbahnhof. Bekannt ist Toruń vor allem für seine Altstadt mit vielen Gebäuden im Stil norddeutscher Backsteingotik sowie für den Astronomen Nikolaus Kopernikus. Die Stadt ist Sitz des Woiwodschaftsmarschalls, seiner Regierung, des Woiwodschaftsparlaments (Sejmik) und des katholischen Bistums Toruń.

Geschichte
Thorn entstand 1231 als erste Siedlung im Kulmerland unter Verwaltung des Deutschen Ordens. Ursprünglich lag diese im Bereich des heutigen Dorfes Alt-Thorn (poln. Stary Toruń), rund 7,5 km westlich der heutigen Stadt, wurde jedoch aufgrund der permanenten Überschwemmungsgefahr 1236 an den heutigen Standort verlegt.

Der Deutsche Orden war vom polnischen Herzog Konrad von Masowien ins Land gerufen worden, um die in der Gegend wohnenden heidnischen baltischen Pruzzen zu christianisieren. Aktiv wurde der Orden aber erst, nachdem Kaiser Friedrich II. ihm 1226 das Herrschaftsrecht über das zu erobernde Land zugesichert hatte. Den Grundstein zu der Stadt Thorn legte 1231 der Landmeister Hermann von Balk. Einwanderer aus Westfalen bevölkerten die Stadt, die am 28. Dezember 1233 mit der Kulmer Handfeste das Stadtrecht erhielt. 1260 wurde das Stadtschloss erbaut.

Ihren Namen erhielt die Stadt angeblich nach der Festung und Baronie Toron, einer Kreuzfahrerburg des Deutschen Ordens im Heiligen Land. In alten Dokumenten heißt die Stadt Thoren.

Im 14. Jahrhundert trat Thorn dem Hansebund bei und gehörte somit wie Elbing, Danzig, Königsberg und Kulm zu den Hansestädten. 1367 trat Thorn der Kölner Konföderation von Hansestädten bei. Das Bestreben des Ordens, gleichzeitig seine Landesherrschaft auszudehnen und den Handel zu kontrollieren, führte zu kriegerischen Konflikten und einer Allianz der deutschen Handelsstädte mit dem Königreich Polen. 1411 wurde der Erste Thorner Frieden zwischen dem polnischen König Władysław II. Jagiełło und dem Deutschen Orden geschlossen. Bei neuen Auseinandersetzungen wurde 1454 die Ordensburg in Thorn vom Preußischen Bund erobert und von seinen Bürgern zerstört. Am 19. Oktober 1466 wurde der Zweite Thorner Frieden mit dem Deutschen Orden geschlossen. Danach musste der Ordensstaat große Gebiete rund um die untere Weichsel an die polnische Krone abtreten (Preußen königlichen Anteils, 1569 in der polnisch-litauischen Union von Lublin aufgegangen) und sich als Herrscher des verbliebenen Ordensstaates der Lehenshoheit der polnische Krone unterwerfen. Die Städte Thorn, Danzig und Elbing wurden als „Quartierstädte“ des Hansebundes polnisch-preußische Reichsstädte mit Vertretung im Sejm.

Als Sohn einer Kaufmannsfamilie wurde 1473 der berühmteste Sohn der Stadt, der spätere Astronom Nikolaus Kopernikus geboren.

Zeitweilige Versuche des Hochmeisters Albrecht von Brandenburg-Ansbach, die königlich-polnischen Gebiete Preußens für den Deutschen Orden zurückzuerobern, endeten erfolglos mit dem Waffenstillstand zu Thorn am 5. April 1521. Auf einer anschließenden Reise nach Süddeutschland fand Albrecht keine Unterstützung für seine bisherigen Pläne und entschloss sich, im Ordenstaat die Reformation einzuführen und ihn fortan als Herzog zu regieren. Weil er dafür die Unterstützung des polnischen Königs brauchte, schloss er mit diesem am 8. April 1525 den Vertrag von Krakau, huldigte ihm, wurde von ihm als weltlicher Herzog in Preußen anerkannt und erhielt zudem eine privilegierte Stellung im polnischen Senat.

1557 nahmen Rat und Bürgerschaft die Reformation an. Die Marienschule wurde 1558 zu einem Gymnasium erhoben. Auf Veranlassung des polnischen Königs Władysław IV. Wasa wurde 1645 unter dem Vorsitz des polnischen Kanzlers Jerzy Ossoliński das Thorner Religionsgespräch (Colloquium charitativum) zur Verständigung von Katholiken und Protestanten veranstaltet. Die Copia Des öffentlichen Ausschreiben ...zu Thoren in Preussen[3] wurde zu Weihnachten 1644 angesagt und 1645 gedruckt. Daran nahmen u. a. auch Georg Calixt und Michael Behm teil.

Im späten 17. Jahrhundert war der aus Lyck (Ełk) stammende Christoph Hartknoch Direktor des 1568 gegründeten Thorner Gymnasiums, ein bedeutender Historiker der Geschichte des Ordensstaates und Polen-Litauens.

Bei der Belagerung von Thorn durch den Schwedenkönig Karl XII. brannte das Rathaus am 14. September 1703 nieder, und ein Großteil der darin aufbewahrten Dokumente wurde ein Raub der Flammen. So verbrannten die Acta consularia, die seit 1345 geführt worden waren; ferner die Bürgerbücher, das Kürbuch und viele andere für die Geschichte der Stadt und der Biographie des Copernicus wichtige Dokumente.[4]

Bei der Fronleichnamsprozession am 16. Juli 1724 kam es zu Streitigkeiten zwischen den Jesuitenzöglingen und den Schülern des protestantischen Gymnasiums. Aus diesem Tumult heraus wurde das Jesuitenkloster gestürmt und verwüstet. Die polnische Regierung führte daraufhin ein (ungesetzliches) Verfahren gegen die Stadt, ließ den Bürgermeister Rößner und neun weitere Bürger am 7. Dezember 1724 enthaupten (Thorner Blutgericht) und bestimmte, dass der Magistrat künftig zur Hälfte aus Katholiken bestehen müsse und die Marienkirche den Katholiken zu übergeben sei. König von Polen war damals Kurfürst August der Starke von Sachsen, 1697 vom Luthertum zum Katholizismus konvertiert.

Ebenso wie Danzig fiel Thorn erst mit der Zweiten Polnischen Teilung 1793 an das Königreich Preußen. Durch den Frieden von Tilsit kam Thorn 1807 zum vorübergehend als Großherzogtum Warschau wiederhergestellten Polen. Am 16. April 1813 kapitulierte die Besatzung Thorns unter dem französischen General Pointcoin[5] nach mehrtägiger Belagerung. 100 französische, 400 polnische und 3.500 bayrische Soldaten legten vor den russischen und preußischen Truppen die Waffen nieder; die Stadt hatte unter dem vom 10. bis zum 16. April andauerndem Bombardement der Belagerer sehr gelitten[6]. Durch die Wiener Kongressakte von 1815 kam es wiederum an Preußen, das es ab 1818 zur Festung ausbaute. Am 21. Juni 1815 hatte die preußische Regierung Thorn dem westpreußischen Regierungspräsidenten in Marienwerder unterstellt.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts erlebte Thorn nach dem Bau der Ostbahn einen wirtschaftlichen Aufschwung. Eine sehr beliebte Spezialität waren die Thorner Kathrinchen (Pfefferkuchen). Im Jahr 1885 hatte Thorn mit der Garnison 23.906 – überwiegend evangelische – Einwohner. Die Einwohnerzahl wuchs bis zur Volkszählung von 1910 auf 46.000, davon waren etwas über 66 Prozent deutschsprachig und etwa 32 Prozent polnischsprachig.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges kam Thorn mit dem größten Teil der Provinz Westpreußen durch den Versailler Vertrag 1920 zu Polen. Zwischen den Weltkriegen lag Thorn im sogenannten polnischen Korridor zwischen dem Hauptteil des deutschen Reichsgebiets und Ostpreußen. In dieser Zeit war Thorn Hauptstadt der Woiwodschaft Großpommern (Województwo Wielkopomorskie). Aufgrund der anhaltenden Polonisierung während der Zwischenkriegszeit sank der Anteil der Deutschen in der Stadt drastisch von etwa 66,6 Prozent im Jahr 1905 auf nur noch 4 Prozent im Jahre 1939. Im Jahre 1934 wurde die Piłsudski-Brücke über die Weichsel errichtet, aus Stahlfachwerkbögen der 1929 demontierten Münsterwalder Weichselbrücke. (siehe Abschnitt Verkehr>Brücken)

Im Zweiten Weltkrieg wurde Toruń 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen von deutschen Truppen besetzt und an das Deutsche Reich angegliedert und kam zum Reichsgau Danzig-Westpreußen. In diesem Zusammenhang wurde 1940 die Ingenieurschule für Luftfahrttechnik (IfL) nach Thorn verlegt. 1945 kam die Stadt wieder an Polen. Bei der Wiederherstellung der Woiwodschaft Großpommern ab 14. März 1945 blieb Toruń zunächst die Hauptstadt. Bei der Verkleinerung der Woiwodschaft am 7. April 1945, wobei auch das 'Groß' im Namen fortfiel, wurde dann aber die Hauptstadt nach Bydgoszcz verlegt. Von Gebäudeschäden war Toruń weitgehend verschont geblieben. Die deutsche Bevölkerungsgruppe wurde vertrieben.

Toruń unterhält seit 1978 eine Städtepartnerschaft mit Göttingen und seit 2003 mit Swindon (Großbritannien).

1997 wurde die mittelalterliche Altstadt von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.[7] Seit 1999 ist Toruń Sitz des Sejmik der Woiwodschaft Kujawien-Pommern, der Woiwode hat seinen Sitz in Bydgoszcz.

Quelle: http://www.wikipedia.org

 

Auch erwähnt als: Thorn, Torun.

Geograph. Bezug: 11 L / Gefunden in Band: DWPR
Name seit Reg Verwaltungseinheit
Thorn < VV DR Preußen, Westpreußen, Marienwerder, Thorn (St.Kr.).
Toruń > VV PL Pomorze, Toruń m.
Thorn 1939 DR Danzig-Westpreußen, Bromberg, Thorn (St.Kr.).
Toruń 1945 PL Bydgoszcz, Toruń m.
Toruń 1992 PL Toruń.

<VV = vor Versailler Vertrag, >VV = nach Versailler Vertrag,
RR = Russisches Reich, PL = Polen, DR = Deutsches Reich.

Aus: Historisches Ortschaftsverzeichnis herausgegeben vom: Bundesamt für Kartographie und Geodäsie im Auftrag des Bundesministeriums des Innern, Frankfurt am Main 1998.

Ortskarte

Ereignisreferenzen

  1. Upstreamvistula.org
      • Datum: 8.11.2007
  2. Wikipedia.org
      • Datum: 17.1.2012

Referenzen

  1. Burghardt, Nikolaus