Marienfeld/Bess.

Breitengrad 46.5981
Längengrad 28.6186
Ort Marienfeld/Bess.
Kirchengemeinde Kirchspiel Neu-Sarata
Kreis Bender (Rajon Cimișlia)
Land Moldawien

Erzählend

Ort - Marienfeld/Bessarabien

Gründungsjahr: 1911

Heute Moldavien.

Marienfeld in Deutschland:
An der Schnittstelle zwischen Münsterland und Ostwestfalen gelegen, sind die drei Ortsteile Harsewinkel, Marienfeld und Greffen eingebettet in die weite grüne Parklandschaft der münsterländischen Bucht.

Der Begriff Marienfeld bezeichnet:
- das Ackergelände Marienfeld (Weltjugendtag) im Rhein-Erft-Kreis
- den Ort Marienfeld (Harsewinkel) im Kreis Gütersloh
- das dortige Kloster Marienfeld (Münsterland)
- das Kloster Marienfeld (Österreich) bei Hollabrunn in Niederösterreich
- den Ortsteil Marienfeld (Much) in der Gemeinde Much im Rhein-Sieg-Kreis
- den Ort Marienfeld (Powiat Kluczborski) in der Gemeinde Groß Lassowitz in der Woiwodschaft Oppeln
- einen Ort der Gemeinde Dornum im Landkreis Aurich in Niedersachsen
- einen Gemeindeteil der Stadt Müncheberg im Landkreis Märkisch Oderland, Brandenburg
- ein Dorf in Moldawien, siehe Marienfeld (Moldawien)
- den deutschen Namen des Ortes Teremia Mare im rumänischen Banat
- einen früheren Namen der Stadt Stanton (Texas) in den USA

Quelle: www.wikipedia.org

Erzählend

"Halt", schrie ich unseren Kirchspielfuhrmann an. Beinahe wären wir in der "bergigen Gegend" um Mariental mit Mann und Maus in einen Graben gerutscht. Als wir uns näher orientierten, da erkannten wir, daß wir schon ein ganzes Stück am Oberen-Trajanswall entlanggefahren und an einer Stelle stehengeblieben waren, wo durch einen Erdaushub noch eine schluchtartige Senke von dem Römerwerk zeugte, das Kaiser Trajan (98 bis 117 n. Chr.) gegen die Einfälle von Norden errichten ließ. Marienfeld liegt nördlich hart am Trajanswall. Nach dem ersten Schreck freuten wir uns; waren wir doch auf diese Weise auf dieses geschichtlich wertvolle Denkmal “gestoßen”.

Der ursprüngliche Name der Gemeinde war “Chutor Jalpuscheli” oder “Marienskoje”, beide Namen stehen im ersten Kaufbrief. Die Fürstin Maria Manuk-Bey, die im Ausland lebte, verkaufte 2550 Deßjatinen durch ihren Bevollmächtigten und schenkte der Gemeinde dazu 3 Deßjatinen für Kirche und Schule, mit der Bedingung, die von ihr gewünschte deutsche Siedlung nach ihrem Namen zu benennen. Zum Dank nannten die Siedler das Dorf “Marienskoje”, später Marienfeld. Schon gleich nach dem Ankauf im Herbst 1910 wurde die Winteraussaat bestellt (Winterweizen war das Hauptgetreide in den deutschen Siedlungen), und im Frühjahr 1911 trafen die ersten Siedler ein.

Es waren J. Almedinger aus Sarata; S. Grieb I aus Neu-Arzis; Gottfried Schulz aus Neu-Elft; J. Scheid aus Lichtental; J. Markwart, Johannes Küst, Johannes Sauter I und II, Gottlieb Wegner, Friedrich Küst, Gottfried Ergezinger, Philipp Dieterle und Chr. Scheible aus Klöstitz; Karl Fried, Karl Pippus, Gottlieb Heß und Valentin Weippert aus Borodino; Christian und Johannes Kehrer und Adam Schmidt aus Teplitz; Wilhelm Büch aus Kulm; Johannes und Gottfried Schwarz aus Beresina. Später kamen noch hinzu D. Raab, Neu-Elft; J. Sauter, Klöstitz; P. Weippert, J. Tetz und Chr. Weippert aus Borodino; J. Hohloch, Teplitz und im Jahre 1913 als letzter J. Vossler, Wittenberg; G. Heidinger, A. Kraft und Chr. Schaible aus Neu-Elft; G. Hintz I, J. Treichel, Chr. Beierle und J. Beierle, Samuel Wiege I und II aus Leipzig (Anmerkung: Es muss sich allerdings um Samuel II und III handeln. Daniel Wiege, Bruder von Samuel II, zog nach.) und G. Stickel aus Borodino.

Außer den Gründern zogen bis 1927 weitere Siedler hinzu, so dass die Gemeinde mit einem Landquantum von 2553 Deßjatinen vor der Umsiedlung fast 780 Seelen zählte. Die aus den Muttergemeinden Ausgewanderten wollten Landwirte bleiben und waren gewissermaßen eine bäuerliche Auslese. Der Fleiß und die Freude an der Landwirtschaft verbargen sich nicht. Die Liebe zu dem in der weiten Steppe, von den Mutterkolonien abgelegenen Heimatdorf, von fremden umgeben, war besonders groß! Das von “Vorneanfangen”, wo Wildnis war, war so schwer wie einst bei den Ahnen. Um so schöner haben die Marienfelder das im Tal, von “Bergen” umgebene Dorf gestaltet. Kam man von der Höhe, ganz gleich von welcher Seite, herab, so lag “tief” unten das friedliche, in das Grün der Zier- und Obstbäume gebettete Dorf. Erst recht heimisch fühlte man sich in den schönen Häusern mit den gastfreundlichen Schwaben.

Das Land war fruchtbar; die Bearbeitung mit modernen Maschinen sehr gut, so dass die auf dem Lande ruhenden Schulden pünktlich getilgt werden konnten. Die Anleihe vom Jahre 1910 bei der Odessaer Bank, weitergeleitet an die Chersoner Landbank, wurde 1922 getilgt. Die Geldentwertung half auch mit. Die Ernteergebnisse von den 51 Wirtschaften zu je 50 Deßjatinen waren abwechselnd gut, mittelmäßig, schlecht, aber im allgemeinen besser als in vielen anderen Gebieten. So konnte eine 1925 aufgenommene Anleihe von 388 912 Lei schon 1934 getilgt werden.

Die Hauptbeschäftigung war auch hier die Landwirtschaft. Angebaut wurden dieselben Getreidesorten wie in anderen Gemeinden. Der Weinbau trat, wenigstens für die edlen Sorten, zurück.

Frühzeitig bemühte sich die Gemeinde, den Handel in deutsche Hände zu bekommen und auf genossenschaftlicher Grundlage aufzubauen. So entstand 1917 ein Gemeindeladen und 1934 eine Molkerei. Der Privathandel in deutschen Händen trug zur Belebung bei. Die Industrie mit einer Öl- und Schrotmühle, einer Zement- und Bauziegelei mit gutem Absatz brachten Geld von auswärts und förderten den Handel.

Die große Entfernung zu den Muttergemeinden hemmte das kulturelle Leben. Eine Abhilfe brachten die verhältnismäßig gut Gemeindebücherei und die Zeitungen und Zeitschriften, die in fünfzig Exemplaren gelesen wurden. Das schönste waren die Besuchsfahrten in die alten Gemeinden, doch jedes mal war das Abschied nehmen schwer.

Marienfeld war eine sehr kirchliche Gemeinde. Das erste Bethaus (später Hirtenhaus), aber auch das schöne, aus Sammlungen der Gemeinde und einer Spende des Fürsten Manuk-Bey (300 Rubel) 1913/14 erbaute Bethaus war allsonntäglich der Ort der Anbetung einer Gemeinde nach dem Wort: “Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt” (Psalm 26). Der Pastor des Kirchspiels Tarutino, dem Marienfeld als Nebengemeinde bis 1926 angehörte, kam zweimal im Jahr, sonst hielt der Küster gut besuchte Lesegottesdienste. An den Sonntagnachmittagen fand in zwei Versammlungen die Verkündigung des Wortes ihre Fortsetzung. In den langen Pausen versah der Küster die ihm zustehenden Aufgaben und Pflichten. Vor der Abfahrt in die nächste Gemeinde besprach der Pastor mit dem Küster, Kurator und den Kirchenvorstehern, oft auch mit dem ganzen Kirchengemeinderat die Gemeindesituation in ihren kirchlichen, schulischen, aber auch wirtschaftlichen und politischen Belangen. Das war jedes mal für beide Teile eine Wegweisung. Im Jahre 1938 wechselte Marienfeld der Entfernung wegen zum Kirchspiel Neu-Sarata über.

Der Schulunterricht musste im Betsaal stattfinden. Von dem abseits stehenden Glockenturm riefen die Glocken zum Gottesdienst und zum Unterricht. 1913 wurde in dem an das Bethaus angrenzenden Wirtschaftsgebäude ein zweiter Schulraum eingerichtet, so dass, nachdem der zweite Lehrer angestellt worden war, Religion und Deutsch im Bethause unterrichtet werden konnte. Die Kirchenschule wurde 1925 durch die staatliche Schulbehörde geschlossen; auf den Protest der Gemeinde kam wohl die Erlaubnis zur Wiedereröffnung, doch ging die Schule 1928 ganz an den Staat über. Seit 1934 unterrichteten nur noch rumänsiche Lehrkräfte. Die Erteilung des Unterrichts in Religion und Deutsch lag nun nur noch beim Küsterlehrer. Seit der Gründung haben in raschem Wechsel fünfzehn Küsterlehrer in der Kirche und Schule gedient. Am längsten standen die beiden Kurartoren (seit 1927 immer wieder gewählt) der Gemeinde vor: Christian Schaible und Christian Beierle. Dorfälteste waren zweiundzwanzig gewählte Gemeindemitglieder. Alle haben in der Kirche, in der Schule und im Dorfamt treu gedient. Die Verantwortung für das anvertraute Pfund wurde ihnen täglich beim Anblick das weithin sichtbaren Friedhofes vor Augen gestellt. -- Das Dorf ist nach der Umsiedlung unserem Auge entschwunden, möge die Verantwortung bleiben.

Nach der Kartei festgestellte Verluste unter den Zivilpersonen
Stand vom 31. Dezember 1964

Verschleppte: 9
Auf der Flucht und in der Verschleppung Verstorbene: 3

349

Quelle: Unbekannt

Ortskarte

Ereignisreferenzen

  1. Heimatbuch der Bessarabieneutschen
      • Datum: 7.11.2007
  2. Mein-bessarabien.de
      • Datum: 2.12.2011
  3. Wikipedia.org
      • Datum: 23.1.2012

Referenzen

  1. Tietz, Maria
  2. Wiege, Samuel II
  3. Wiege, Samuel III